Marktberichte Wien und International

Freitag, 7. Mai 2010

Zinsvergleich: Welche Zinsen sind für mich relevant?

Die Verzinsung
Die Verzinsung kann fix oder variabel erfolgen. Die Zinssatzhöhe ist von der Bindungsfrist, der Einlagenhöhe und der Sparfrequenz abhängig. Sparer borgen Banken mit ihren Spareinlagen Kapital. Als Gegenleistung dafür erhalten sie Zinsen.

• Fixe Verzinsung

Der Zinsertrag ist im Voraus bekannt ist, wenn die vereinbarte Spardauer eingehalten wird. Eine fixe Verzinsung macht Sinn, wenn das aktuelle Zinsniveau relativ hoch und die Wahrscheinlichkeit sinkender Zinsen daher relativ groß ist.

In Zeiten niedriger Zinsen macht langfristige Bindung wenig Sinn, denn das Risiko, bei steigenden Zinsen längerfristig an einen nicht mehr marktkonformen Zinssatz gebunden zu bleiben, ist hoch.

Variable Verzinsung
Der vereinbarte Zinssatz kann auch sinken. Dafür kann davon ausgegangen werden, dass der Zinssatz auch bei steigenden Zinsen marktkonform bleibt.

Zur Ermittlung der Netto-Zinserträge ist neben der Kapitalertragssteuer auch die jeweilige Inflationsrate zu berücksichtigen.

Werden die Zinsen jedes Jahr gutgeschrieben, erhöht sich die ursprüngliche Spareinlage laufend (abzüglich der 25 % Kapitalertragssteuer auf Zinserträge). Dieser Zinseszinseffekt lässt Spareinlagen progressiv ansteigen. D. h., eine längere Spardauer führt zu höheren Erträgen.

Zinsvergleich
Hier können Sie Sparzinsen optimal vergleichen:

Zinsvergleich von Biallo

Zinsenrechner der Arbeiterkammer
Zinsvergleich des WirtschaftsBlatt

Dienstag, 9. Februar 2010

Wirtschaftskammerwahlen 2010: Nun muss Leitl um die Großen kämpfen


Arbeitslose und Unternehmen haben eines gemeinsam: Sie solidarisieren sich nicht


Es gibt wenige Gruppen der Gesellschaft, die sich so schwer für gemeinsames Lobbying vereinnahmen lassen wie Arbeitslose und Unternehmer. Es handelt sich bei beiden Gruppen um Schicksalsgemeinschaften, die unfreiwillig gemeinsam auf die Reise gegangen sind. Die Mitglieder der Gemeinschaften haben eine hohe Resistenz gegen jede Form der Solidarisierung. Es ist daher genauso sinnlos eine Arbeitslosenpartei zu gründen wie eine Unternehmerpartei.

Der Hintergrund ist leicht erklärt und in der Wirtschaftspsychologie ein durchgängig untersuchtes Phänomen: Der persönliche Erfolg als auch der Mißerfolg wird nicht Außenfaktoren, sondern dem eigenen Vermögen oder Unvermögen zugeschrieben. Wenn jemand seine Arbeit verliert, sucht er die Ursache zunächst vorsichtig und mit zunehmender Dauer umso stärker bei sich selbst. Bei Unternehmern ist es ähnlich: Sie reagieren auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen und begreifen diese zunächst als Chance. Sie gehen also nicht gemeinsam auf die Straße, um mehr Förderungen, eine bessere Gewerbeordnung oder Steuererleichterungen zu bekommen. Sie diskutieren solche Angelegenheiten in kleinen Klubs und legen parallel in ihren Firmen jene Hebel um, die zur Anpassung an ein kälter werdendes Umfeld dienen.

Wenn es nun darum geht, bei der Wirtschaftskammer-Wahl neue Funktionäre für Österreichs 560.000 Gewerbetreibende zu finden, so tritt dieses Dilemma augenscheinlich zutage. Die Business Community ist inhomogen. Da gibt es große Betriebe, die sich starkes Lobbying auf politischer Ebene wünschen. Doch zwei Drittel der Kammer-Wähler beschäftigen nicht mehr als sich selbst und erwarten aufgespannte Sicherheitsnetze.

Mit dem Versprechen, die Lebenssituation der Kleinunternehmer zu verbessern, gewann Christoph Leitl die vergangenen Wahlen. Er geht mit seinem Wirtschaftsbund auch als Favorit in die kommende Wahl. Wie sieht jedoch seine Bilanz aus? Die WirtschaftsBlatt-Umfrage demonstriert das anschaulich: Der Fallschirm für die Kleinbetriebe wurde aufgespannt, soweit das überhaupt möglich ist. Es gibt heute Zugang zu Arbeitslosengeld, eine GmbH kann um 10.000 € gegründet werden und viele Kredite und Förderungen gibt es unbürokratischer und in handlicheren Dosen.

Doch nun schlägt das Pendel zurück: Große rebellieren. Sie erwarten sich eine Front im Kampf um enger werdende Ressourcen, denn den Konjunkturpaketen werden Sparpakete folgen. Und Sparen soll aus ihrer Sicht im sozialen und nicht im unternehmerischen Umfeld erfolgen.

Samstag, 23. Januar 2010

Kärnten braucht Neuwahlen, und zwar jetzt!


Nur wenige Kärntner glauben, dass eine Neuwahl dem Land eine neue Regierung bringen würde. Wir müssen es dennoch versuchen!
Als Kärntner werde ich derzeit laufend auf die Ereignisse in meiner Heimat angesprochen. „Man kann die ­Herkunft leugnen oder hoffen, dass das Bundesland von Italien annektiert wird“, scherzt der IV-Ökonom Christian Helmenstein. Stimmt. Doch ich denke gar nicht daran meine Herkunft zu leugnen, denn das hieße ja, dass ich sie jenen Idioten überlasse, die seit zehn Jahren das Land in den Niedergang führen.

Ökonomischer Ausnahmezustand
Kärnten droht der ökonomische Ausnahmezustand. Obwohl Kärnten seine Jugend besser ausbildet als andere Länder, obwohl der Strukturwandel – weg von der Grundstoffindustrie hin zu forschungslastigen Zukunftssektoren – früher als anderswo bewältigt wurde, zeigen aktuelle Statistiken, dass es in hohem Tempo abwärts geht. Der Schuldenstand, schon jetzt der höchste in ganz Österreich, verdoppelt sich in den kommenden vier Jahren, Konzerne wälzen Abwanderungspläne und Bundesförderstellen zögern mit der Freigabe von Mitteln. Unter dem Titel “Das andere Kärnten” zeigte die Industriellenvereinigung auf, dass das südlichste Bundesland erstaunlich viele hochbegabte Menschen hervorbringt, die aber zu einem hohen Anteil abwandern. Klar ist auch, dass sich in Kärnten – etwa beim Rückgang der Bevölkerung – Trends zeigen, die später einmal ganz Österreich ereilen werden.

Mob hält uns in Geiselhaft
Aber auch die Tatsache, dass ein rechtspopulistischer Mob ein Land in Geiselhaft halten kann, ist ein Mahnsignal, das die Schadenfreude überstrahlt.
Wenn sich nichts ändert, werden die ökonomischen Probleme von heute zu sozialen Brandherden der Zukunft. Die Arbeitslosigkeit und Abwanderungsquoten werden noch steigen, damit wird die Pro-Kopf-Verschuldung sich weiter verschärfen und so wird der wirtschaftspolitische Handlungsspielraum immer kleiner. Wenn ein Land kein Geld mehr hat, dann kann es keine Betriebe mehr anlocken, dann kann es keine Schulen, keine Seniorenheime und keine Krankenhäuser mehr finanzieren.

Hilfe zur Selbsthilfe

Nicht-Kärntner, die mit verdienter Lust den Niedergang der Haider-Erben beobachten, sollten sich aufgefordert fühlen, Lösungen zu erarbeiten, die als Modelle für das Österreich der Zukunft dienen werden.

Wie kann Kärnten die Faschingsprinzen Gerhard Dörfler und Uwe Scheuch loswerden und sie wieder dorthin schicken, wo sie hingehören? Auf den Traktor, in den Stall, an den Kopierer, an die Kaffeemaschine und an den Stammtisch.

Das wird nicht, denn viele Kärntner wollen das ja gar nicht. Wie ganz Österreich weiß, werden in Kärnten Euro-Tausender vom Landeshauptmann persönlich verteilt, werden Probleme hemdsärmelig gelöst. Weniger Leute wissen, dass auch rote Bürgermeister die blau/orange Führung nicht stürzen wollen, weil sie sich bestens arrangiert haben. Weil es auch für die Bürgermeister nie leichter war, Geld und Geschenke zu verteilen. Wie noch weniger Leute wissen, trauen sich auch viele Unternehmer nicht Kritik zu üben. Diese genieren sich zwar für die politische Führung, treten aber nicht gegen sie auf, solange sie um deren Gunst und Förderungen zittern müssen.

Demut heißt, die Schönheit vergessen
Quid pro Quo – doch das Problem sitzt noch tiefer.
Auch jene, die nicht zur Lambichler Kultusgemeinde (Haiders blumengeschmückter Unfallort) pilgern, glauben nicht an die Erneuerung. Sie fürchten, dass eine Neuwahl eine Neuauflage des freiheitlichen Chaos bringen wird. Sie fürchten also auch weiterhin, dass sich SPÖ und ÖVP zu Koalitionen mit den rechten Narren verführen lassen werden.

Es fehlt der Mut. Mut kann nur dort entstehen, wo Demut Platz hat.
Wenn Kärntner über die Heimat sprechen, streichen sie die Vorzüge hervor, loben die warmen Seen, preisen die Berge, die Küche, die Nähe zu Italien. Seltener geht es um die Schriftsteller und Maler, die kulturelle Vielfalt und die Innovationskraft der Mitbürger.Kärnten ist nicht einzigartig, daher ist seine Schönheit unerheblich.Was zählt ist der Glaube an die innere Erneuerungskraft.

Was das Land daher dringend braucht, ist der Mut zu Neuwahlen und der feste Wille, die Fehler der vergangenen zehn Jahre wett zu machen.Keine Partei darf der heutigen politischen Führungselite in Zukunft ein Mandat geben. An die Spitze des Landes darf nur jemand kommen, der außerhalb der Landesgrenzen ausgiebig frische Luft geatmet hat.

Den Alptraum der Nullerjahre verarbeiten

Wahlen sind nur selten mit wirtschaftspolitischen Themen zu gewinnen, diesmal wäre es möglich. Die Parteien der Vernunft müssen sich auf einen Kandidaten, vorzugsweise eine/n ManagerIn mit internationalem Ruf. Man mag tausend Gründe vorbringen, die gegen die unternehmerischen Leistungen von Erwin Soravia, Peter Brabek (Nestle-AR-Chef aus Villach) oder Peter Löscher (Siemens-Manager aus Villach) sprechen. Was diese Menschen mit Sicherheit auszeichnet, ist ihre Tatkraft, mit der sie Kärnten vor dem ökonomischen Untergang bewahren können.

Nur so lässt sich der Alptraum der Nullerjahre in den kommenden zehn Jahren verarbeiten. Und wer weiß, vielleicht wird Wien in zehn Jahren vor ähnlichen Fragen stehen? Der wirtschaftliche Frieden strahlt am Ende auch auf die Menschen ab.

Sonntag, 29. November 2009

Warum Anleger Sammelklagen meiden sollten

Ständig stehen wir vor der Versuchung, Gewinne ­abzusichern und Verluste auszugleichen. Prinzipiell wäre das keine schlechte Handlungsstrategie, würde sie nicht unsere Ergebnisse verschlechtern. Konkret zeigen Experimente seit den 90er-Jahren, dass ­Spieler, Anleger und auch Manager in Situationen, die sie mit Verlusten konfrontieren, riskantere Strategien ­wählen als in komplementären Situationen, in denen es um Gewinne geht. Außerdem treibt uns der menschliche Faktor soweit, dass wir Gewinne, die in ferner ­Zukunft liegen, grob unterschätzen und weit entfernte ­Verluste sogar dramatisch unterbewerten.


Es ist wohl dieser Unvollkommenheit zuzuschreiben, dass nur wenige Menschen Casinos mit vollen Taschen verlassen, an der Börse in allen Phasen ­Gewinne optimieren und Verluste minimieren und im Management keine Fehler geschehen - weder bei Investitions- noch bei Rationalisierungsprojekten. Derzeit sind Tausende Österreicher Gefangene dieses Verhaltensdilemmas, denn sie waren ­Aktionäre bei Immofinanz, Meinl European Land oder AvW sowie Kunden beim AWD. Sie trafen Entscheidungen, die ihr Vermögen verringerten. Das passierte, weil sie von Beratern bewusst falsch informiert wurden und weil sie falsche Erwartungen hatten. Nun sind sie mit Verlusten ­konfrontiert und daher gefährdet, erneut Fehler zu begehen. Anstatt das Risiko zu minimieren, erhöhen sie es, indem sie ihre Erwartungen nicht der momentanen Marktsituation anpassen, sondern darauf setzen, das Entgangene komplett zurückzubekommen.

Deswegen schließen sie sich „Sammelklagen" an, bei denen ­ihnen Prozessfinanzierer gnadenlos sämtliche Rechte abnehmen. Wer sich der Gruppeninterven­tion in der Causa AvW anschließt, unterzeichnet ­vorab, allen Unternehmungen der Rechtsanwälte ­zuzustimmen - seien es Klagen, der Abschluss von Vergleichen aber auch die Kündigung des Investments. Der AvW-Investor gibt seine Handlungs­fähigkeit also auf. Im Gegenzug versichern die ­Anwälte, gegen die AvW-Organe sowie gegen ­Gutachter, ­Prüfer und die FMA vorzugehen. Einen konkreten Plan entwickeln sie erst, wenn sie die ­Ansprüche der Anleger eingesammelt haben.  

Die Geschädigten kaufen die Katze im Sack. In der Causa Amis wurde jedoch klar, dass es keine um sich schlagenden Prozessfinanzierer braucht, um zu Geld zu kommen. Anleger sollten sich also besser privaten Rechtsbeistand suchen, der ihre Anliegen vertritt. Wer vor einem Investment steht, der sollte eine Rechtsschutzversicherung abschließen, die dieses Prozessrisiko abdeckt.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Deutschland hat sich wieder ins Spiel gebracht

Deutschland wird Österreich wieder mehr Konkurrenz machen
Noch immer verursacht ein Husten Deutschlands einen
mittleren Grippeanfall in Österreich. Die Bedeutung des nördlichen
Nachbarn hat sich zwar durch den EU-Beitritt, durch die Abschaffung
der D-Mark und die Wachstumsambitionen der heimischen Unternehmen in
Osteuropa verringert. Dennoch hat jede wirtschaftspolitische
Veränderung in Deutschland klare Auswirkungen auf Österreich. Vor
allem für den heimischen Maschinenbau, aber auch für die Industrie
wird spannend, was bei den Verhandlungen zwischen den Unions-Parteien
und den Liberalen herauskommt. Wir werden das Geschehen fußfrei
verfolgen, werden dabei aber gemischte Gefühle haben.
Denn bislang konnte Österreich vom deutschen Schuldenmachen durchaus
profitieren. Zwar haben die bilateralen Handelsbeziehungen stark
unter der Wirtschaftskrise gelitten. Der Außenhandel mit Deutschland
ist im ersten Halbjahr um vier Milliarden Euro zurückgegangen, das
ist ein Minus von 22 Prozent. Doch die Wirtschaftskrise traf
Österreich nicht ganz so hart, weil die deutsche schwarz-rote
Koalition die Wiederbelebungspakete für die Wirtschaft satt und nicht
zu knapp ausstattete. Doch diese Zeit des Trittbrettfahrens dürfte
vorerst vorbei sein. Der deutsche Industrie- und Handelskammertag
fordert, dass ein Kassasturz erfolge. Hintergrund dafür: Bald zwei
Billionen Euro Staatsschuld lasten auf einer kleiner werdenden
Bevölkerung, auf einer Wirtschaft, die in vielen Bereichen ihre
Kostenführerschaft an die Asiaten verliert.

Nur so bleibt der Euro stabil
Der Haushalt müsse also saniert werden, fordert die Wirtschaft, damit dann eine breite Steuerentlastung für Unternehmen angegangen werden kann. Vielleicht entschließt sich die neue Regierung auch dazu, die umfassenden Arbeitnehmerrechte einzudämmen. In Österreich haben wir diese Maßnahmen aus der schwarz-blauen Zeit noch in Erinnerung. Auch damals rammte die Regierung einige Pfeiler - etwa die Gruppenbesteuerung - in den Boden, mit denen Österreich Investitionen aus dem benachbarten Ausland absaugen konnte.
Der Nachbar wird Österreich wieder mehr Konkurrenz machen. Über den Zeitraum einer Legislaturperiode hinaus wird uns das allerdings nützen. Auch die anderen Mitglieder der EU müssen so wie wir hoffen, dass es ein gutes Programm wird, das jetzt verhandelt wird und dass die FDP dabei das Große und nicht die Interessen ihres bunten
Wählerspektrums im Auge hat. Denn nur so wird der Euro stabil bleiben
und der größte Nettozahler der Union das gemeinsame Europa
ermöglichen.

WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Vorsicht, die Milliarden sprudeln -

von Jochen Hahn Utl.: Die Banken haben die Einladung ins Kasino dankbar angenommen

Die Bullen tanzen. Jamie Dimon, Chef der US-Großbank
JPMorgan, kann einen Gewinn für das dritte Quartal von sage und
schreibe 3,59 Milliarden US-Dollar vermelden. Das sind 1,35
Milliarden mehr als von den ohnehin optimistischen Analysten erwartet
und ein zusätzlicher Turbo für die haussierenden Börsen.
Im allgemeinen Applaus gilt es aber, klaren Kopf zu bewahren - denn
ein gesundes Zeichen ist das keineswegs. 63 Prozent des Ertrags
scheffelten die US-Banker nämlich in der Investment-Banking-Sparte.
Der Eigenhandel mit Aktien ist also die Haupttriebfeder der
Bankengewinne, das wird sich heute mit Sicherheit auch am
Quartalsergebnis von Goldman Sachs ablesen lassen.
Warum das so ist, ist leicht erklärt: Notenbanken rund um den Globus
haben zur Abwendung der Finanzkrise die Zinszügel fallen gelassen,
haben ihre Bilanzen schier endlos verlängert, um den noch vor wenigen
Monaten kollabierenden Banken Schrottpapiere abzukaufen, und ihnen
rettende Staatsmilliarden in den Rachen geworfen. Und all das
praktisch ohne Auflagen. Denn es herrscht eine von Bankmanagern zu
verantwortende und nicht wegzudiskutierende Kreditverknappung. Fragen
Sie nach bei den KMU.

Anstatt die Wirtschaft also mit notwendigen Krediten zu versorgen,
nahmen die kürzlich noch totgesagten Investmentbanken die Einladung
ins Kasino dankbar an. Mittlerweile haben es die meisten sogar schon
geschafft, die geborgten Staatsmilliarden zurückzuspekulieren.
Dieses Spekulations-Fenster wird aber nicht von Dauer sein, denn der
konjunkturelle Hintergrund ist schlichtweg schauderhaft. Das
JPMorgan-Ergebnis offenbart nämlich auch den tatsächlichen Zustand
der US-Wirtschaft. Hohe Verluste im Kreditkartengeschäft sowie bei
Privatkundenkrediten sind mittlerweile an der Tagesordnung, sie
werden nur vom erzockten Gewinn überdeckt. Spätestens, wenn die
Notenbanken inflationsbedingt beginnen, die Liquiditätsschleusen
wieder zu schließen, werden die Dollarzeichen in den Augen der
Investmentbanker genauso schnell wieder verschwinden, wie sie
aufgetaucht sind - und zwar tränenreich.

Was für Banken gilt, gilt dann ebenso für die Börsen. Die Rally seit
März läuft nämlich bei vergleichsweise bescheidenen Umsätzen ab. Hört
man sich um, dann wird schnell klar, dass sie gänzlich ohne
institutionelle Investoren stattgefunden hat. Sie ist einzig ein Kind
der zockenden Banken und Hedgefonds. Folglich wird die Hausse in
Kürze verglühen, denn fundamental ist nicht viel dran.

Soros investiert eine Milliarde Dollar zur Rettung der Welt


Vom Saulus zum Paulus könnte auch für Investment-Guru Soros gelten, der eine Milliarden-Investition in Öko-Aktien angekündigt hat. Damit folgt er aber nur dem Beispiel seines noch berühmteren Kollegen Warren Buffett, der mit derartigen Papieren bereits enorme Gewinne eingefahren hat.

Zu einem Gutteil seines Reichtums kam George Soros unter anderem mit Spekulationen gegen den britischen Pfund im Herbst 1992. Er vertrat seine Meinen, das Pfund Sterling sei überbewertet, öffentlich und spekulierte massiv gegen die Währung.
Auf seine alten Tage, will er nun mithelfen, die Welt zu retten. Wobei aber natürlich auch für ihn eine ordentliche Scheibe des Gewinns abfallen soll.
Gegenüber einer in Kopenhagen tagenden Konferenz im Vorfeld des Klimagipfels in zwei Monaten hat Soros bekannt gegeben, dass er eine Milliarde Dollar in saubere Technologien investieren will um damit zur Lösung des Problems des Klimawandels beizutragen.

Allerdings: "Ich möchte strenge Kriterien an die Investments anlegen", so Soros in der eMail-Nachricht. "Sie sollen rentabel sein, aber gleichzeitig einen echten Beitrag zur Lösung des Problems leisten.

Parallel dazu will Soros die Climate Policy Initiative ins Leben rufen. In den kommenden zehn Jahren soll diese in San Francisco ansässige Organisation jährlich zehn Millionen Dollar erhalten. Die Climate Policy Initiative soll "teils Beratungsdienst, teils Vordenker, teils Überwacher" in Regionen wie den USA, Europa, China, Indien und Brasilien sein. Aber auch mit dem Emissionsrechtehandel will man sich beschäftigen. Vor allem aber soll sie auf die Politiker Einfluss nehmen. "Das Problem der Erderwärmung ist derzeit in erster Linie ein politisches", so Soros, "In der Wissenschaft besteht keine Ungewissheit mehr, aber wie erreichen wir die Ziele, von denen wir alle wissen, dass sie notwendig sind? Es ist ein politisches Problem."

Cave canem

Gleichzeitig tritt Soros auch für eine einfache Besteuerung der Treibhausgase ein. Handelssysteme für Emissionsrechte, wie sie Europa bereits besitzt, würden seiner Überzeugung nach Investoren dazu animieren, die Systeme zum eigenen Vorteil zu manipulieren. Er muss es wissen, schließlich erklärt er dazu bereits im Juli bei einem Seminar der London School of Economics offen: "Das System eignet sich für Spieler; deshalb ist es beliebt bei Finanztypen wie mir; denn es bietet finanzielle Gelegenheiten."

Buffett bereits fest investiert

Im Gegensatz zu George Soros ist Warren Buffett bereits seit längerem in den einschlägigen "grünen" Sektoren investiert. Sein Meisterstück dabei ist wohl der chinesische Hersteller von Batterien, BYD Company Limited. Über Berkshire Hathaway und die ebenfalls darüber kontrollierte MidAmerican Energy (gehört zu 87 Prozent Berkshire Hathaway) steigt Buffett Ende September 2008 mit 10 Prozent, die rund 230 Millionen Dollar kosten, in das Unternehmen ein. Nachdem sich der Preis in der Folge innerhalb weniger Tage verdreifachte, ist die Aktie heute fast neunmal soviel Wert, wie vor einem Jahr.
Vor allem aber ist es das erklärte Ziel von BYD, vor allen anderen Herstellern ein serienreifes Elektro-Massenfahrzeug in China auf den Markt bringen.

Buffett ist in der Szene der "grünen" Aktien jedoch bereits seit Jahren aktiv. Unter anderem in so ausgefallen Bereichen wie der Geothermie. Die bereits erwähnte MidAmerican Energy ist die Eigentümerin von CalEnergy, die wiederum zehn Geothermie-Kraftwerke in Kalifornien betreibt und in den kommenden Jahren weiter drei errichten will.

Über weitere Töchter ist MidAmerican auch stark in der Windkraft engagiert und holt derzeit zu einem Megaprojekt in Großbritannien aus. Wie die "Times" Ende September 2009 berichtete, soll Buffett gewillt sein, bis zu 1,6 Milliarden Dollar in eines der größten Offshore-Windprojekte des Landes zu investieren. Konkret soll MidAmerican einen 20-Jahresvertrag für den Aufbau und die Wartung eines unterseeischen Stromnetzes zur Verbindung von neun Offshore-Windparks erhalten. Man befindet sich mit diesen Plänen immerhin bereits unter den besten Bietern.

Investor

Internationale Börsen

Deals & Deal Makers

US-Market-News

Marktdaten Österreich

Tipps zu Geld und Anlage