
Arbeitslose und Unternehmen haben eines gemeinsam: Sie solidarisieren sich nicht
Es gibt wenige Gruppen der Gesellschaft, die sich so schwer für gemeinsames Lobbying vereinnahmen lassen wie Arbeitslose und Unternehmer. Es handelt sich bei beiden Gruppen um Schicksalsgemeinschaften, die unfreiwillig gemeinsam auf die Reise gegangen sind. Die Mitglieder der Gemeinschaften haben eine hohe Resistenz gegen jede Form der Solidarisierung. Es ist daher genauso sinnlos eine Arbeitslosenpartei zu gründen wie eine Unternehmerpartei.
Der Hintergrund ist leicht erklärt und in der Wirtschaftspsychologie ein durchgängig untersuchtes Phänomen: Der persönliche Erfolg als auch der Mißerfolg wird nicht Außenfaktoren, sondern dem eigenen Vermögen oder Unvermögen zugeschrieben. Wenn jemand seine Arbeit verliert, sucht er die Ursache zunächst vorsichtig und mit zunehmender Dauer umso stärker bei sich selbst. Bei Unternehmern ist es ähnlich: Sie reagieren auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen und begreifen diese zunächst als Chance. Sie gehen also nicht gemeinsam auf die Straße, um mehr Förderungen, eine bessere Gewerbeordnung oder Steuererleichterungen zu bekommen. Sie diskutieren solche Angelegenheiten in kleinen Klubs und legen parallel in ihren Firmen jene Hebel um, die zur Anpassung an ein kälter werdendes Umfeld dienen.
Wenn es nun darum geht, bei der Wirtschaftskammer-Wahl neue Funktionäre für Österreichs 560.000 Gewerbetreibende zu finden, so tritt dieses Dilemma augenscheinlich zutage. Die Business Community ist inhomogen. Da gibt es große Betriebe, die sich starkes Lobbying auf politischer Ebene wünschen. Doch zwei Drittel der Kammer-Wähler beschäftigen nicht mehr als sich selbst und erwarten aufgespannte Sicherheitsnetze.
Mit dem Versprechen, die Lebenssituation der Kleinunternehmer zu verbessern, gewann Christoph Leitl die vergangenen Wahlen. Er geht mit seinem Wirtschaftsbund auch als Favorit in die kommende Wahl. Wie sieht jedoch seine Bilanz aus? Die WirtschaftsBlatt-Umfrage demonstriert das anschaulich: Der Fallschirm für die Kleinbetriebe wurde aufgespannt, soweit das überhaupt möglich ist. Es gibt heute Zugang zu Arbeitslosengeld, eine GmbH kann um 10.000 € gegründet werden und viele Kredite und Förderungen gibt es unbürokratischer und in handlicheren Dosen.
Doch nun schlägt das Pendel zurück: Große rebellieren. Sie erwarten sich eine Front im Kampf um enger werdende Ressourcen, denn den Konjunkturpaketen werden Sparpakete folgen. Und Sparen soll aus ihrer Sicht im sozialen und nicht im unternehmerischen Umfeld erfolgen.
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