Marktberichte Wien und International

Sonntag, 29. November 2009

Warum Anleger Sammelklagen meiden sollten

Ständig stehen wir vor der Versuchung, Gewinne ­abzusichern und Verluste auszugleichen. Prinzipiell wäre das keine schlechte Handlungsstrategie, würde sie nicht unsere Ergebnisse verschlechtern. Konkret zeigen Experimente seit den 90er-Jahren, dass ­Spieler, Anleger und auch Manager in Situationen, die sie mit Verlusten konfrontieren, riskantere Strategien ­wählen als in komplementären Situationen, in denen es um Gewinne geht. Außerdem treibt uns der menschliche Faktor soweit, dass wir Gewinne, die in ferner ­Zukunft liegen, grob unterschätzen und weit entfernte ­Verluste sogar dramatisch unterbewerten.


Es ist wohl dieser Unvollkommenheit zuzuschreiben, dass nur wenige Menschen Casinos mit vollen Taschen verlassen, an der Börse in allen Phasen ­Gewinne optimieren und Verluste minimieren und im Management keine Fehler geschehen - weder bei Investitions- noch bei Rationalisierungsprojekten. Derzeit sind Tausende Österreicher Gefangene dieses Verhaltensdilemmas, denn sie waren ­Aktionäre bei Immofinanz, Meinl European Land oder AvW sowie Kunden beim AWD. Sie trafen Entscheidungen, die ihr Vermögen verringerten. Das passierte, weil sie von Beratern bewusst falsch informiert wurden und weil sie falsche Erwartungen hatten. Nun sind sie mit Verlusten ­konfrontiert und daher gefährdet, erneut Fehler zu begehen. Anstatt das Risiko zu minimieren, erhöhen sie es, indem sie ihre Erwartungen nicht der momentanen Marktsituation anpassen, sondern darauf setzen, das Entgangene komplett zurückzubekommen.

Deswegen schließen sie sich „Sammelklagen" an, bei denen ­ihnen Prozessfinanzierer gnadenlos sämtliche Rechte abnehmen. Wer sich der Gruppeninterven­tion in der Causa AvW anschließt, unterzeichnet ­vorab, allen Unternehmungen der Rechtsanwälte ­zuzustimmen - seien es Klagen, der Abschluss von Vergleichen aber auch die Kündigung des Investments. Der AvW-Investor gibt seine Handlungs­fähigkeit also auf. Im Gegenzug versichern die ­Anwälte, gegen die AvW-Organe sowie gegen ­Gutachter, ­Prüfer und die FMA vorzugehen. Einen konkreten Plan entwickeln sie erst, wenn sie die ­Ansprüche der Anleger eingesammelt haben.  

Die Geschädigten kaufen die Katze im Sack. In der Causa Amis wurde jedoch klar, dass es keine um sich schlagenden Prozessfinanzierer braucht, um zu Geld zu kommen. Anleger sollten sich also besser privaten Rechtsbeistand suchen, der ihre Anliegen vertritt. Wer vor einem Investment steht, der sollte eine Rechtsschutzversicherung abschließen, die dieses Prozessrisiko abdeckt.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Deutschland hat sich wieder ins Spiel gebracht

Deutschland wird Österreich wieder mehr Konkurrenz machen
Noch immer verursacht ein Husten Deutschlands einen
mittleren Grippeanfall in Österreich. Die Bedeutung des nördlichen
Nachbarn hat sich zwar durch den EU-Beitritt, durch die Abschaffung
der D-Mark und die Wachstumsambitionen der heimischen Unternehmen in
Osteuropa verringert. Dennoch hat jede wirtschaftspolitische
Veränderung in Deutschland klare Auswirkungen auf Österreich. Vor
allem für den heimischen Maschinenbau, aber auch für die Industrie
wird spannend, was bei den Verhandlungen zwischen den Unions-Parteien
und den Liberalen herauskommt. Wir werden das Geschehen fußfrei
verfolgen, werden dabei aber gemischte Gefühle haben.
Denn bislang konnte Österreich vom deutschen Schuldenmachen durchaus
profitieren. Zwar haben die bilateralen Handelsbeziehungen stark
unter der Wirtschaftskrise gelitten. Der Außenhandel mit Deutschland
ist im ersten Halbjahr um vier Milliarden Euro zurückgegangen, das
ist ein Minus von 22 Prozent. Doch die Wirtschaftskrise traf
Österreich nicht ganz so hart, weil die deutsche schwarz-rote
Koalition die Wiederbelebungspakete für die Wirtschaft satt und nicht
zu knapp ausstattete. Doch diese Zeit des Trittbrettfahrens dürfte
vorerst vorbei sein. Der deutsche Industrie- und Handelskammertag
fordert, dass ein Kassasturz erfolge. Hintergrund dafür: Bald zwei
Billionen Euro Staatsschuld lasten auf einer kleiner werdenden
Bevölkerung, auf einer Wirtschaft, die in vielen Bereichen ihre
Kostenführerschaft an die Asiaten verliert.

Nur so bleibt der Euro stabil
Der Haushalt müsse also saniert werden, fordert die Wirtschaft, damit dann eine breite Steuerentlastung für Unternehmen angegangen werden kann. Vielleicht entschließt sich die neue Regierung auch dazu, die umfassenden Arbeitnehmerrechte einzudämmen. In Österreich haben wir diese Maßnahmen aus der schwarz-blauen Zeit noch in Erinnerung. Auch damals rammte die Regierung einige Pfeiler - etwa die Gruppenbesteuerung - in den Boden, mit denen Österreich Investitionen aus dem benachbarten Ausland absaugen konnte.
Der Nachbar wird Österreich wieder mehr Konkurrenz machen. Über den Zeitraum einer Legislaturperiode hinaus wird uns das allerdings nützen. Auch die anderen Mitglieder der EU müssen so wie wir hoffen, dass es ein gutes Programm wird, das jetzt verhandelt wird und dass die FDP dabei das Große und nicht die Interessen ihres bunten
Wählerspektrums im Auge hat. Denn nur so wird der Euro stabil bleiben
und der größte Nettozahler der Union das gemeinsame Europa
ermöglichen.

WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Vorsicht, die Milliarden sprudeln -

von Jochen Hahn Utl.: Die Banken haben die Einladung ins Kasino dankbar angenommen

Die Bullen tanzen. Jamie Dimon, Chef der US-Großbank
JPMorgan, kann einen Gewinn für das dritte Quartal von sage und
schreibe 3,59 Milliarden US-Dollar vermelden. Das sind 1,35
Milliarden mehr als von den ohnehin optimistischen Analysten erwartet
und ein zusätzlicher Turbo für die haussierenden Börsen.
Im allgemeinen Applaus gilt es aber, klaren Kopf zu bewahren - denn
ein gesundes Zeichen ist das keineswegs. 63 Prozent des Ertrags
scheffelten die US-Banker nämlich in der Investment-Banking-Sparte.
Der Eigenhandel mit Aktien ist also die Haupttriebfeder der
Bankengewinne, das wird sich heute mit Sicherheit auch am
Quartalsergebnis von Goldman Sachs ablesen lassen.
Warum das so ist, ist leicht erklärt: Notenbanken rund um den Globus
haben zur Abwendung der Finanzkrise die Zinszügel fallen gelassen,
haben ihre Bilanzen schier endlos verlängert, um den noch vor wenigen
Monaten kollabierenden Banken Schrottpapiere abzukaufen, und ihnen
rettende Staatsmilliarden in den Rachen geworfen. Und all das
praktisch ohne Auflagen. Denn es herrscht eine von Bankmanagern zu
verantwortende und nicht wegzudiskutierende Kreditverknappung. Fragen
Sie nach bei den KMU.

Anstatt die Wirtschaft also mit notwendigen Krediten zu versorgen,
nahmen die kürzlich noch totgesagten Investmentbanken die Einladung
ins Kasino dankbar an. Mittlerweile haben es die meisten sogar schon
geschafft, die geborgten Staatsmilliarden zurückzuspekulieren.
Dieses Spekulations-Fenster wird aber nicht von Dauer sein, denn der
konjunkturelle Hintergrund ist schlichtweg schauderhaft. Das
JPMorgan-Ergebnis offenbart nämlich auch den tatsächlichen Zustand
der US-Wirtschaft. Hohe Verluste im Kreditkartengeschäft sowie bei
Privatkundenkrediten sind mittlerweile an der Tagesordnung, sie
werden nur vom erzockten Gewinn überdeckt. Spätestens, wenn die
Notenbanken inflationsbedingt beginnen, die Liquiditätsschleusen
wieder zu schließen, werden die Dollarzeichen in den Augen der
Investmentbanker genauso schnell wieder verschwinden, wie sie
aufgetaucht sind - und zwar tränenreich.

Was für Banken gilt, gilt dann ebenso für die Börsen. Die Rally seit
März läuft nämlich bei vergleichsweise bescheidenen Umsätzen ab. Hört
man sich um, dann wird schnell klar, dass sie gänzlich ohne
institutionelle Investoren stattgefunden hat. Sie ist einzig ein Kind
der zockenden Banken und Hedgefonds. Folglich wird die Hausse in
Kürze verglühen, denn fundamental ist nicht viel dran.

Soros investiert eine Milliarde Dollar zur Rettung der Welt


Vom Saulus zum Paulus könnte auch für Investment-Guru Soros gelten, der eine Milliarden-Investition in Öko-Aktien angekündigt hat. Damit folgt er aber nur dem Beispiel seines noch berühmteren Kollegen Warren Buffett, der mit derartigen Papieren bereits enorme Gewinne eingefahren hat.

Zu einem Gutteil seines Reichtums kam George Soros unter anderem mit Spekulationen gegen den britischen Pfund im Herbst 1992. Er vertrat seine Meinen, das Pfund Sterling sei überbewertet, öffentlich und spekulierte massiv gegen die Währung.
Auf seine alten Tage, will er nun mithelfen, die Welt zu retten. Wobei aber natürlich auch für ihn eine ordentliche Scheibe des Gewinns abfallen soll.
Gegenüber einer in Kopenhagen tagenden Konferenz im Vorfeld des Klimagipfels in zwei Monaten hat Soros bekannt gegeben, dass er eine Milliarde Dollar in saubere Technologien investieren will um damit zur Lösung des Problems des Klimawandels beizutragen.

Allerdings: "Ich möchte strenge Kriterien an die Investments anlegen", so Soros in der eMail-Nachricht. "Sie sollen rentabel sein, aber gleichzeitig einen echten Beitrag zur Lösung des Problems leisten.

Parallel dazu will Soros die Climate Policy Initiative ins Leben rufen. In den kommenden zehn Jahren soll diese in San Francisco ansässige Organisation jährlich zehn Millionen Dollar erhalten. Die Climate Policy Initiative soll "teils Beratungsdienst, teils Vordenker, teils Überwacher" in Regionen wie den USA, Europa, China, Indien und Brasilien sein. Aber auch mit dem Emissionsrechtehandel will man sich beschäftigen. Vor allem aber soll sie auf die Politiker Einfluss nehmen. "Das Problem der Erderwärmung ist derzeit in erster Linie ein politisches", so Soros, "In der Wissenschaft besteht keine Ungewissheit mehr, aber wie erreichen wir die Ziele, von denen wir alle wissen, dass sie notwendig sind? Es ist ein politisches Problem."

Cave canem

Gleichzeitig tritt Soros auch für eine einfache Besteuerung der Treibhausgase ein. Handelssysteme für Emissionsrechte, wie sie Europa bereits besitzt, würden seiner Überzeugung nach Investoren dazu animieren, die Systeme zum eigenen Vorteil zu manipulieren. Er muss es wissen, schließlich erklärt er dazu bereits im Juli bei einem Seminar der London School of Economics offen: "Das System eignet sich für Spieler; deshalb ist es beliebt bei Finanztypen wie mir; denn es bietet finanzielle Gelegenheiten."

Buffett bereits fest investiert

Im Gegensatz zu George Soros ist Warren Buffett bereits seit längerem in den einschlägigen "grünen" Sektoren investiert. Sein Meisterstück dabei ist wohl der chinesische Hersteller von Batterien, BYD Company Limited. Über Berkshire Hathaway und die ebenfalls darüber kontrollierte MidAmerican Energy (gehört zu 87 Prozent Berkshire Hathaway) steigt Buffett Ende September 2008 mit 10 Prozent, die rund 230 Millionen Dollar kosten, in das Unternehmen ein. Nachdem sich der Preis in der Folge innerhalb weniger Tage verdreifachte, ist die Aktie heute fast neunmal soviel Wert, wie vor einem Jahr.
Vor allem aber ist es das erklärte Ziel von BYD, vor allen anderen Herstellern ein serienreifes Elektro-Massenfahrzeug in China auf den Markt bringen.

Buffett ist in der Szene der "grünen" Aktien jedoch bereits seit Jahren aktiv. Unter anderem in so ausgefallen Bereichen wie der Geothermie. Die bereits erwähnte MidAmerican Energy ist die Eigentümerin von CalEnergy, die wiederum zehn Geothermie-Kraftwerke in Kalifornien betreibt und in den kommenden Jahren weiter drei errichten will.

Über weitere Töchter ist MidAmerican auch stark in der Windkraft engagiert und holt derzeit zu einem Megaprojekt in Großbritannien aus. Wie die "Times" Ende September 2009 berichtete, soll Buffett gewillt sein, bis zu 1,6 Milliarden Dollar in eines der größten Offshore-Windprojekte des Landes zu investieren. Konkret soll MidAmerican einen 20-Jahresvertrag für den Aufbau und die Wartung eines unterseeischen Stromnetzes zur Verbindung von neun Offshore-Windparks erhalten. Man befindet sich mit diesen Plänen immerhin bereits unter den besten Bietern.

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