Marktberichte Wien und International

Mittwoch, 14. Oktober 2009

WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Vorsicht, die Milliarden sprudeln -

von Jochen Hahn Utl.: Die Banken haben die Einladung ins Kasino dankbar angenommen

Die Bullen tanzen. Jamie Dimon, Chef der US-Großbank
JPMorgan, kann einen Gewinn für das dritte Quartal von sage und
schreibe 3,59 Milliarden US-Dollar vermelden. Das sind 1,35
Milliarden mehr als von den ohnehin optimistischen Analysten erwartet
und ein zusätzlicher Turbo für die haussierenden Börsen.
Im allgemeinen Applaus gilt es aber, klaren Kopf zu bewahren - denn
ein gesundes Zeichen ist das keineswegs. 63 Prozent des Ertrags
scheffelten die US-Banker nämlich in der Investment-Banking-Sparte.
Der Eigenhandel mit Aktien ist also die Haupttriebfeder der
Bankengewinne, das wird sich heute mit Sicherheit auch am
Quartalsergebnis von Goldman Sachs ablesen lassen.
Warum das so ist, ist leicht erklärt: Notenbanken rund um den Globus
haben zur Abwendung der Finanzkrise die Zinszügel fallen gelassen,
haben ihre Bilanzen schier endlos verlängert, um den noch vor wenigen
Monaten kollabierenden Banken Schrottpapiere abzukaufen, und ihnen
rettende Staatsmilliarden in den Rachen geworfen. Und all das
praktisch ohne Auflagen. Denn es herrscht eine von Bankmanagern zu
verantwortende und nicht wegzudiskutierende Kreditverknappung. Fragen
Sie nach bei den KMU.

Anstatt die Wirtschaft also mit notwendigen Krediten zu versorgen,
nahmen die kürzlich noch totgesagten Investmentbanken die Einladung
ins Kasino dankbar an. Mittlerweile haben es die meisten sogar schon
geschafft, die geborgten Staatsmilliarden zurückzuspekulieren.
Dieses Spekulations-Fenster wird aber nicht von Dauer sein, denn der
konjunkturelle Hintergrund ist schlichtweg schauderhaft. Das
JPMorgan-Ergebnis offenbart nämlich auch den tatsächlichen Zustand
der US-Wirtschaft. Hohe Verluste im Kreditkartengeschäft sowie bei
Privatkundenkrediten sind mittlerweile an der Tagesordnung, sie
werden nur vom erzockten Gewinn überdeckt. Spätestens, wenn die
Notenbanken inflationsbedingt beginnen, die Liquiditätsschleusen
wieder zu schließen, werden die Dollarzeichen in den Augen der
Investmentbanker genauso schnell wieder verschwinden, wie sie
aufgetaucht sind - und zwar tränenreich.

Was für Banken gilt, gilt dann ebenso für die Börsen. Die Rally seit
März läuft nämlich bei vergleichsweise bescheidenen Umsätzen ab. Hört
man sich um, dann wird schnell klar, dass sie gänzlich ohne
institutionelle Investoren stattgefunden hat. Sie ist einzig ein Kind
der zockenden Banken und Hedgefonds. Folglich wird die Hausse in
Kürze verglühen, denn fundamental ist nicht viel dran.

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